Archiv der Kategorie 'Pressestimmen'

Gute Polizeiarbeit

Bei einer Nachbetrachtung der polizeilichen Repressionsarbeit gegen antifaschistisches Engagement während Nazi-Aufmärschen, kann durch aus die These aufgemacht werden, sie wäre ein Mobilisierungshelfer. Schaut mensch sich zum Beispiel die Erfolge von Dresden Nazifrei an, so kam es zu einen nicht unbedeutenden Mobilisierungsschub durch die Kriminalisierung des Bündnisses im Jahre 2010. Ebenso verhält es sich mit den Strafverfahren gegen Antifaschist_innen und der Funkzellenabfrage. Leider lag meist der Diskurs nur auf der Ebene der Politik im Sinne von „schlecht gelaufen, nächstes Mal wird es besser“. Das Überschnappen der Polizei wurde interpretiert als regelkonformes Austesten von Grenzen zum Schutz der „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“.
Die Dresdner Polizeiführung drohte zwar noch im Vorfeld der antifaschistischen Demonstrationen in der Landeshauptstadt alle Mittel in Gang zu setzen um den Nazis den Aufmarsch zu ermöglichen, sie blieb aber auf dem Niveau der üblichen Auseinandersetzung von solchen Veranstaltungen.

Was die Hausdurchsuchungen und Funkzellenabfragen für Dresden waren, war die rabiate Räumung der Zentralhaltestelle am 5. März 2011 in Chemnitz. Noch gut dürften Sätze wie „die Polizei legt gerade nen Opa zusammen“ in der Erinnerung verblieben sein neben den zahlreichen Prügelszenen der Beamten/-innen. Polizeichef Uwe (Vorfahrt Rechts vor Links) Reißmann trat natürlich großspurig unter dem Motto „Demokratieschutz“ auf. Mit gar hellseherischer Fähigkeit sah er die Entkräftigung aller Vorwürfe gegen seine Einheiten voraus. Auf den Täter/-innenschutz können sich seine Kollegen/-innen schließlich verlassen. Bei vielen hat dieses Verhalten zu einem faden Beigeschmack im Zusammenhang mit dem Wort Polizei geführt.
Das Innenministerium hat mittlerweile angekündigt eine deeskalativen Kurs am 5. März zu fahren. Ob dies auch in Chemnitz ankommt ist aus der Erfahrung der letzten Jahre zu bezweifeln. Wir lassen uns von diesen Spielchen auf jeden Fall nicht unterkriegen! (mehr…)

Ups. Da haben wir doch etwas vergesesen

Viele Teile der Chemnitzer Stadtgeschichte in der Zeit des Nationalsozialismus sind bis heute wenig bis gar nicht aufgearbeitet. Wen sollte es daher überraschen, dass die Rolle der Technischen Universität Chemnitz bisher wenig ergründet wurde. So kritisierte der Dekan der philosophischen Fakultät Christoph Fasbender diesen Umstand in einer Podiumsdiskussion des Stura „Rassismus überwinden – aber wie?“ und setzte sich für eine wissenschaftliche Aufarbeitung ein.
Die Universität (damals Technische Staatslehranstalten1) wurde ab 1935 innerhalb der „Förderung der Hauptprogramme der Reichsregierung“ in die Rüstungsentwicklung einbezogen. Die Bildungseinrichtung für Materialprüfung forschte über die Erprobung von Verdunklungspapier und Tarnanstrichen. Das Fach Flugwesen wurde erheblich ausgebaut.2

Eine weitere Freistelle in der Chemnitzer Geschichtsschreibung ist auch die Rolle von Zwangsarbeiter_innen. Laut verschiedener Quellen kann von einer Zahl von circa 31.000 Menschen ausgegangen werden, die in allen Produktionsbereichen in Chemnitz eingesetzt wurden.3 Ihr Leben und die Arbeitsbedingungen unter denen sie mithelfen mussten die Kriegswirtschaft weiter zu stützen, sind bisher wenig dokumentiert.

Hoffentlich erkennen die üblichen Opfer-Schwadronierer_innen bald, dass es nicht möglich ist Zwangsarbeiter_innen, zur Vernichtung ausgewählte Deportierte, Mitglieder der SS-/Wehrmachtsverbände und Angestelle des nationalsozialistschen Verwaltungsapparates unter dem Begriff Opfer der Bombardierung von Chemnitz zu vereinen. Die Geschichte lehrt uns leider ein pessimistisches Geschichtsbild.

Dekan fordert Aufarbeitung der TU-Rolle zur Nazi-Zeit
Bei Diskussionsrunde zum 5. März spricht Dozent von „verheerendem Bild“

Eine fehlende Auseinandersetzung der Technischen Universität mit ihrer Rolle während der Nazi-Zeit kritisiert der Dekan der philosophischen Fakultät der TU, Christoph Fasbender. „Ich fordere die TU-Leitung auf, wissenschaftliche Arbeiten dazu anzuregen“, sagte er am Mittwoch auf einer vom Studentenrat veranstalteten Podiumsdiskussion zum Thema Rassismus. Anlass war der 5. März 1945, der Jahrestag der Bombardierung von Chemnitz. In der Vergangenheit hatten Rechtsextreme versucht, den Gedenktag für die Opfer der Bombardements für ihre Zwecke zu missbrauchen.

Zwar gebe es Arbeiten zur Rolle der TU während der Nazi-Zeit, die aber nicht unabhängig und von Ratlosigkeit geprägt seien, so Fasbender. Soweit man wisse, habe die TU zur Nazi-Zeit ein „verheerendes Bild“ abgegeben: Der größte Teil des Lehrkörpers sei der Nazi-Ideologie verbunden gewesen, Widerstand habe es keinen gegeben. Damit müsse man sich auseinandersetzen. Dass dafür der neue Rektor, der Südafrikaner Arnold van Zyl, offen ist, ist denkbar. Van Zyl hatte zur Diskussion eine Videobotschaft gesendet. Das Thema Fremdenfeindlichkeit sei ihm wichtig, er wolle Podiumsrunden auch mit Vertretern aus dem linken und rechten Spektrum initiieren. Und er erzählte, wie er in Südafrika ein deutsches Paar kennengelernt hatte, das einst in Chemnitz studiert hatte, dann vor den Nazis nach Simbabwe geflohen war. Er habe von ihnen ein Bücherregal aus ihrer Chemnitzer Zeit geerbt. Das werde er mit nach Chemnitz bringen.

Und damit in eine Stadt, die laut Podiums-Gästen zwar keine Hochburg der tätlichen Übergriffe von Neonazis auf Fremde sei, wie Lena Nowak von der Opferberatung berichtete. Doch sei Chemnitz „das Hinterland für Nazis“, so Tim Detzner vom Bündnis für Frieden und Toleranz. Hier unterhielten Neonazis Strukturen, etwa für den CD-Vertrieb. Zudem gebe es latente Fremdenfeindlichkeit. Ausländer hätten es beispielsweise schwer, in Clubs Einlass zu finden, sagte Anni Fischer vom Studentenrat. Und Ruth Röcher von der Jüdischen Gemeinde erwähnte Fälle, in denen Lehrer bei rassistischen Sprüchen an Berufsschulen nicht eingegriffen hätten.

Am 5. März mit Demonstrationen ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen – dafür warb Detzner. Auch Fasbender stimmte zu. Er hoffe aber, dabei nicht nur Pfarrer und Geisteswissenschaftler zu sehen, sondern auch Vertreter großer Firmen, Sportvereine und Techniker der TU.

Quelle: Freie Presse 10.02.2012 von Katharina Leuoth

  1. http://www.altes-chemnitz.de/chemnitz/hochschule.htm [zurück]
  2. Aus dem Chemnitzer Stadtarchiv Heft Nr. 10 – Chemnitz in der NS-Zeit – Beiträge zur Stadtgeschichte 1933-1945, S. 175 [zurück]
  3. Aus dem Chemnitzer Stadtarchiv Heft Nr. 10 – Chemnitz in der NS-Zeit – Beiträge zur Stadtgeschichte 1933-1945, S. 200ff [zurück]

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Häh? Wie jetzt? Keine Opfer?

Offensichtlich ist etwas bei der Chemnitzer CDU immer noch nicht angekommen. Während sich die Parteispitze von den wutentbrannten Äußerungen Marco Freymanns versucht zu distanzieren und Freymann kein großes Interesse hat weiter an Öffentlichkeit zu treten, spielt die CDU eher die Karte „würdiges Gedenken gegen Rechts“.
Dass dieses „Gedenken an die Opfer der Bombardierung“ bereits die revisionistische Geschichtswahrnehmung widerspiegelt, zu dieser Erkenntnis kommen die Christdemokraten gewohnten Maßen nicht. So gab es auch „zwölf Jahre der Herrschaft der Nazis“ … über die Deutschen und nicht die Nazis mit den Deutschen. Zudem Was deutsch ist, hatte die „deutsche“ Bevölkerung offensichtlich kein Problem. Sonst hätte sie nicht erst mit der geballten alliierten Militärmacht gestoppt werden müssen.
Somit dürften auch nicht die Äußerungen Freymanns im Nazi-Sprech-Stil auf einen „Rechts-Ruck“ hindeuten, weil wohl Parteikolleginnen/-en eher seiner Meinung wären, würde sich Menschen erdreisten der Chemnitzer Bevölkerung den Opferstatus zu entziehen.
Zur Dokumentation sind hier noch zwei weitere Artikel aus den Lokalmedien. (mehr…)

Hier marschiert die Rotfront

Ein Gespenst geht um in Chemnitz – Das Gespenst des Kommunismus

so etwas oder Ähnliches wird sich Marco Freymann (Chef des CDU-Ortsverbandes Mitte-Schloß) gedacht haben. Er schrieb erzürnt eine eMail um endgültig Festzustellen, dass der 5. März ein Tag zum „Gedenken der Zerstörung der Chemnitzer Innenstadt durch die allierten Bombenangriffe und deren unschuldigen zivilen Opfer“ ist und nicht für Proteste gegen stattfindende Nazisaufmärsche dienen könnte. Dabei stellt er gleich einmal die Existenz von Nazis an diesen Tag in Abrede. Die armen Leidtragenden sind für ihn natürlich die Polizeibeamten – 2011 haben sich bestimmt viele Beamten verletzt beim Verprügeln von Gegendemonstrant_innen – Sie haben uns Mitgefühl.
Aber zurück zu Freymann: Solch eine Figur des vor Patriotismus strotzenden und realitätsverleugnenden Antikommunisten und Vaterlandsverteidiger kannte selbst die bitterste Satire bisher nicht. Wieder einmal ein Beweis dafür, dass selbst die stärkste Polemik, die Realität an Absurdität nicht übertreffen kann. Wir dokumentieren daher die Reaktion in der Freie Presse des heutigen Tages. (mehr…)

Essays in der Freie Presse zum 5. März 2011

Die Frage nach konkreten Strategien und den Grund des Scheiterns einer erfolgreichen Blockade des Nazi-Aufmarsch am 5. März 2011 hatte in Chemnitz verschiedene Debatte ausgelöst.

Gestartet wurde die Debatte in der Freien Presse mit einem Essay von Klaus Gregor Eichhorn, in dem er das Scheitern auf die Passivität der Chemnitzer Bevölkerung schiebt. Eine Grund für diesen Gemützustand ist für ihn die „blutleere Innenstadtbebauung“, der soziale Kahlschlag und betriebswirtschaftlicher Logik. Sein Vorschlag diese Haltung zu durchbrechen endet mit einem alternativen Viertel ohne Bevormundungen oder Blockaden seitens der Stadt. Hier zum Nachlesen.

Als nächstes kam ein Essay von Hartwig Albiro (ein Veteran in Sachen Friedenstag). Deutlich mehr schwelgend in den Erinnerungen der „friedlichen Revolution“ als Eichhorn, führt Albiro die – für ihn – erfolgreiche Arbeit des Bürgervereins „Fuer Chemnitz“ in blumigen Worten mit allerlei Moralin aus. Es wird noch geschimpft auf das Verhalten der Polizei und gejammert, dass es doch so wenige Demonstrant_innen waren. Im endlosen Beteuern von Friedlichkeit und Demokratie wird an „linksextremen Szene nahestehende Tränentrockner“ erinnert (AAK-Aufruf „Das Tränenmeer trocken legen!“) , um dann doch wieder festzustellen, dass offensichtlich im Agieren der offiziell eingesetzten „Demokraten“ in der BRD etwas nicht stimmt. Damit zumindest schon einmal Glückwunsch zur späten Erkenntnis und der Beitrag hier zum Nachzulesen.