Pazifisten-Fimmel

Was passiert, wenn der Chemnitzer Friedenstag in Gestalt von Aktion C und mit „großem Interesse bei Lehrern, Erziehern und Schülern“ zum „intellektuellen Austausch über Krieg und Frieden sowie Gewalt und Toleranz“ anregt, ist derzeit in der Freien Presse zu besichtigen. Täglich wird nun im Bild ein geschaffenes „XXL-Plakat“ aus „reißfestem“ Material des Sächsischen Textilforschungsinstituts Vliesbahnen vorgestellt, als Ergebnis der Befassung der „Kinder und Jugendlichen mit der deutschen Geschichte und besonders dem Zweiten Weltkrieg“ (Zitate Amtsblatt 27.02.13). Einen besonders schönen Beleg für die dabei erzielten Lerneffekte wollen wir hier vorstellen:


„Die zehn Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 17 und 19 Jahren, die an der drei Wochen dauernden Arbeit beteiligt waren, haben die miteinander verschlungenen (!) Hände als Sinnbild für das Handeln (!) gemalt“ (FP 26.02.13). Bemerkenswert ist vor allem das „Nepalesische Sprichwort“. Hätten das die Allierten nur gewußt! Chemnitz wäre soviel erspart geblieben…

Theobald Tiger alias Kurt Tucholsky hat dazu vor mehr als 80 Jahren schon das nötigste gesagt:

Rosen auf den Weg gestreut

Ihr müßt sie lieb und nett behandeln,
erschreckt sie nicht – sie sind so zart!
Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln,
getreulich ihrer Eigenart!
Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –:
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft!

Wenn sie in ihren Sälen hetzen,
sagt: »Ja und Amen – aber gern!
Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!«
Und prügeln sie, so lobt den Herrn.
Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft!
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft.

Und schießen sie –: du lieber Himmel,
schätzt ihr das Leben so hoch ein?
Das ist ein Pazifisten-Fimmel!
Wer möchte nicht gern Opfer sein?
Nennt sie: die süßen Schnuckerchen,
gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen …
Und verspürt ihr auch
in euerm Bauch
den Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft –:
Küßt die Faschisten, küßt die Faschisten,
küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft –!

Die Weltbühne, Nr. 13 vom 31.03.1931