Für die Chemnitzer Opfer. Gegen Rechts (und Links)

Im Sonntagsgespräch auf Chemnitz Fernsehen vom 15. Januar 2012 gibt es eine Interessante Zusammenstellung der Ereignisse des vergangenen 5. März.
Es wird festgestellt, dass bei einer Demonstration vom AJZ Chemnitz aus sich militante Linke untergemischt haben und es „zum Glück“ friedlich blieb. Die Sorge schien auch berechtigt zu sein laut Innenministerium: Unter Einsatz ihres Lebens mussten 223 schlecht ausgerüstete und miserable trainierte Beamte einen gewaltbereiten, gut trainierten und bis an die Zähne bewaffneten Antifa-Mob von einer schieren Menge von 80 Personen – und diese Menge muss sich erst einmal vorgestellt werden – durch die Stadt begleiten. Dass es zu „keinen Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ gekommen ist, war wohl nur Glück an diesem Tag.1
Die Verfasser_innen des Beitrags sind auch der Meinung, dass sich die Sitzblockaden an der Zentralhaltestelle einfach so aufgelöst hätten. Scheinbar inspiriert von einem Gespräch mit Marco Freymann, kam der Gedanke auf als hätten sich die Blockier_innen dann aus lauter Langeweile in „Prügeleien“ mit der Polizei gestürzt. Zahlreiche Youtube-Videos belegen dies nachweislich.2,3,4

Aber jetzt weiter im Gespräch: Peter Patt (CDU), Egmond Elschner (Kulturbeirat) und Hartwig Albiro (Friedenstag) diskutieren über den 5. März. Sie sind sich natürlich darüber einig, dass es alles friedlich sein muss. Damit hat sich der Konsens aber schon ergeben. Während Patt Lobeshymnen auf die Polizei singt, weil sie Verhältnisse wie in Dresden verhindert hätten, widersprechen Elschner und Albiro dem Ganzen. Der Polizeieinsatz sei überzogen gewesen und die Polizei hätte öffentlich die Innenstadt an diesen Tag eher abschreckend dargestellt. Ein politisches Verhalten der Polizei will Patt dagegen nicht geltend machen, sondern sieht lediglich die erfolgreiche „Lagertrennung“ an diesem Tag. Das Missverhältnis bei der Behandlung von Anmeldungen von Nazis und deren Gegener_innen wird wenig bis gar nicht thematisiert.
Natürlich spielt „Das Gedenken“ ein große Rolle. Albiro spiegelt durch aus die Kritik daran wieder. Er scheibt allerdings die Inszenierung eines Trauerkultes im Bezug auf die Chemnitzer Bombardierung auf die Nazis ab. Elschner springt dann ein mit der Argumentation rechteradikalte Ideologe gleich Tod, Verderben, Krieg, … und Albiro stellt heraus, dass zu dieser geschichtlichen Tatsache auch ein Bezug auf das Heute gesetzt werden muss.
Dennoch sind sich dann wieder alle einig, als Patt eine lokalpatriotischen Vorstoß wagt und das Gedenken im Bezug auf „was haben wir verloren“ setzt. Dies ist eher anschlussfähig, einfacher zu transportieren und Nostalgie geht ja immer. Dies ist nicht der klassische Nazi-Geschichtsrevisionismus, aber dieses Motiv des Gedenkens ist im bürgerlichen Gedenken schon lange nicht mehr massentauglich. Die Kritik am aktuellen Ritus liegt bekanntlich an anderer Stelle: Alle schwelgen in vergangen Zeiten, sind zu tote betrübt über die Freiflächenpolitik der Alliierten und denken sich „was wäre nur, wenn Hitler nicht so übertrieben hätte“. Die Erinnerung an Vernichtungskrieg, Volksgemeinschaft und Rassewahn wird ins Abseits geschoben und sich auf die „deutschen Opfer“ konzentriert.
Wer sich den gesamten Beitrag von fast einer halbe Stunde antun möchte, sei hier auf die Risiken des Würgereflexes hingewiesen. Die Redaktion übernimmt keine Kosten für eventuelle Reinigungskosten!

  1. aus einer kleine Anfrage von Freya-Maria Klinger (MdL) 5/6029 „Planung polizeilicher Maßnahmen anlässlich einer antifaschistischen Demonstration am 5. März 2011 in Chemnitz“ [zurück]
  2. http://youtu.be/INjVu0QSY9g [zurück]
  3. http://youtu.be/166IAXNxfak [zurück]
  4. http://youtu.be/iosWCNl3_UA [zurück]