Häh? Wie jetzt? Keine Opfer?

Offensichtlich ist etwas bei der Chemnitzer CDU immer noch nicht angekommen. Während sich die Parteispitze von den wutentbrannten Äußerungen Marco Freymanns versucht zu distanzieren und Freymann kein großes Interesse hat weiter an Öffentlichkeit zu treten, spielt die CDU eher die Karte „würdiges Gedenken gegen Rechts“.
Dass dieses „Gedenken an die Opfer der Bombardierung“ bereits die revisionistische Geschichtswahrnehmung widerspiegelt, zu dieser Erkenntnis kommen die Christdemokraten gewohnten Maßen nicht. So gab es auch „zwölf Jahre der Herrschaft der Nazis“ … über die Deutschen und nicht die Nazis mit den Deutschen. Zudem Was deutsch ist, hatte die „deutsche“ Bevölkerung offensichtlich kein Problem. Sonst hätte sie nicht erst mit der geballten alliierten Militärmacht gestoppt werden müssen.
Somit dürften auch nicht die Äußerungen Freymanns im Nazi-Sprech-Stil auf einen „Rechts-Ruck“ hindeuten, weil wohl Parteikolleginnen/-en eher seiner Meinung wären, würde sich Menschen erdreisten der Chemnitzer Bevölkerung den Opferstatus zu entziehen.
Zur Dokumentation sind hier noch zwei weitere Artikel aus den Lokalmedien.

CDU zerfleischt sich wegen Demo
Es geht um den Umgang mit der Veranstaltung zum 5. März

Gute Demo – böse Demo? Die CDU streitet sich um den richtigen Umgang mit dem 5. März. In fünf Wochen jährt sich die Bombardierung von Chemnitz zum 67. Mal. Ein breites Bündnis will an diesem Tag ein Zeichen des bewussten Erinnerns und des bewussten Engagements setzen.
Chemnitz. Während Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (49, SDP) auf zivilgesellschaftliches Engagement insbesondere gegen den Aufmarsch von Rechten setzt, lehnt CDU-Mann Marco Freymann (45) ein Zusammengehen mit linken Gruppen ab.

„Die CDU wird auf keinen Fall mit diesem antideutschen, antidemokratischen und kommunistischen Antifa-Pöbel gemeinsame Sache machen“, schreibt Freymann, Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Mitte-Schloss, in geharnischten Worten an Parteifreund Harald Krause (57). Der ist entsetzt: „Es geht am 5. März doch darum, sich dem braunen Pöbel entgegenzustellen.“ Der CDU-Landtagsabgeordnete Peter Patt (48) sagt: „Die parteiinterne Diskussion ist der Sache nicht dienlich. Der Ton macht die Musik. Und der Ton ist von beiden Seiten, von Herrn Freymann und Herrn Krause, nicht wirklich der passende. Der 5. März ist kein Tag links gegen rechts, sondern ein Gedenktag an die Opfer der Bombardierung.“

Kreisvorsitzender und CDU-Bundestagsabgeordneter Frank Heinrich (47) beschwichtigt: „Alle CDU-Mitglieder sind am 5. März aufgerufen, sich am überparteilichen Gedenken an die Opfer der Bombardierung zu beteiligen. Man darf auch nicht die Ursache vergessen – nämlich zwölf Jahre der Herrschaft der Nazis mit ihrer unmenschlichen Ideologie.“

Quelle: 31.01.2012 Chemnitzer Morgenpost

CDU versucht Schadensbegrenzung
Der Stadtverband geht auf Distanz zum Ortsvereins-Chef Mitte-Schloß wegen dessen Äußerungen über das Bürgerbündnis.

Nach den Äußerungen zum Jahrestag der Bombardierung der Stadt wächst innerhalb der CDU die Kritik am Chef ihres Ortsverbandes Mitte-Schloß, Marco Freymann. Ines Saborowski-Richter, die für die CDU im Stadtrat und im Landtag sitzt, sprach ihm gestern das Recht ab, seine Einzelmeinung als die der Chemnitzer Christdemokraten auszugeben. „Er kann nicht für alle sprechen“, sagte sie. Die am Vortag bekannt gewordenen Äußerungen bezeichnete sie als sehr bedauerlich. „Mit solchen Äußerungen machen wir die Arme auf für Nazi-Propaganda.“ Und auch Stadtfraktions-Chef Ullrich Müller distanziert sich: „Marco Freymann hat sich provozieren lassen und in einer höchst bedauerlichen Form reagiert.“

Freymann hatte in einer E-Mail Parteien, Gewerkschaften und der Kirche vorgeworfen, „antidemokratische und antideutsche“ Kräfte zu unterstützen, die die zivilen Opfer der Bombardierung von 1945 verhöhnten. Mitglieder des Bündnisses selbst, das am 5. März der Zerstörung der Stadt und ihrer Toten gedenken und Gesicht zeigen will gegen Rechtsextremismus, bezeichnete er als „Rotfront“.

Ines Saborowski-Richter wies gestern Vergleiche der Initiatoren des Friedenstages mit Randalierern zurück. Die CDU begrüße es, dass es mit dem Bürgerbündnis gelungen sei, das Gedenken an die Ereignisse und die Opfer der Bombardierung auf eine breite demokratische Plattform zu stellen. „Zu diesem Aufruf des Bündnisses steht die Chemnitzer CDU und wird sich sicher in großer Zahl am Friedenstag beteiligen.“

Für eine Anfrage der „Freien Presse“ war Freymann gestern erneut nicht erreichbar. CDU-Kreisverbands-Chef Frank Heinrich, der im Ausland weilt, ließ über Partei-Sprecher Alexander Dierks eine gründliche Auswertung des Briefwechsels ankündigen. So sei es auch nicht unbedingt die feine englische Art, internen Schriftverkehr nach außen zu tragen, sagte er.
Dennoch habe sich Freymann – so wörtlich – stark im Ton vergriffen. „Wir werden beiden Gelegenheit geben, sich dazu in der nächsten Sitzung des Kreisvorstandes im März zu äußern.“ Ausdruck eines Rechts-Rucks in der Chemnitzer CDU sei Freymanns Äußerung hingegen nicht, betonte Dierks: „Wir bekennen uns auch weiterhin deutlich zum Bürgerbündnis am 5. März.“

Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) sagte gestern, sie gehe davon aus, dass es sich bei den Äußerungen um eine Einzelmeinung handle. Zugleich fügte sie hinzu, der Chemnitzer CDU-Kreisverband habe mit Frank Heinrich einen Vorsitzenden, „der sich für den 5. März in den vergangenen Jahren ganz stark engagiert hat“.

Quelle: 01.02.2012 Freie Presse von Grit Baldauf