Archiv für Februar 2012

Schon eingekleidet?

Pünktlich, kurz vor der Nazi-Demonstration, eröffnet ein neuer Thor Steinar Shop auf der Mühlenstraße 102. Es hat sich scheinbar herumgesprochen, dass Chemnitz ein guter Absatzmarkt ist. Nach eigener Darstellung „erhältst Du (wenn du halt dumm wie Brot bist) auf über 100qm unsere aktuelle Kollektion und günstige Angebotsartikel!“. Also Kamerad: Unterstütze auch du die Geschäftsleitung in Dubai für das Teutsche Volhk!
Bestellungen und anderer Bullshit kann unter 0371 / 458 654 86 entgegen genommen werden. Viel Spaß beim Anrufen!

Märzerlebnisse

Zur heutigen Pressekonferenz von Chemnitz Nazifrei wurde ein Bericht frei gegeben, in dem die zahlreichen Rechtsverstöße der Polizei am 05.03.2011 dokumentiert sind. Nebenbei gibt es auch eine Vorgeschichte zu den Anti-Nazi-Protesten und eine kurze Spielanleitung zum Versammlungsgesetz. Zur Einstimmung und Vorbereitung ist es auf jeden Fall nicht schlecht es gelesen zu haben.
Der Bericht kann hier eingesehen und heruntergeladen werden.

Nazi Wegrüsseln!

Auch die Chemnitzer Studierendenschaft ist tierisch wütend. Deshalb ruft der StuRa in hannibalscher Art zu „Nazis wegrüsseln!“ auf. Neben der Startposition „Antifaschistische Demonstration“ ab 16:00 am Hauptbahnhof, ergibt sich damit eine weitere sinnvolle Position zum Blocken. Die Demonstration startet um 17:00 ab der Mensa Reichenhainerstraße 55. Eine Karte mit allen Ausgangspositionen wird demnächst online gestellt.

Unsere Internationalisierungsstrategie: Hingehen statt Wegsehen! Nie wieder Faschismus!Nazis Wegrüsseln!

Am 5. März 2012 werden Neonazis erneut durch Chemnitz marschieren. Sie nutzen seit Jahren diesen Tag, um die Zerstörung der Stadt während des II. Weltkrieges für ihre menschenverachtende und undemokratische Ideologie umzudeuten. Wir fordern das Ende der Instrumentalisierung des Gedenkens zu Ehren von Chemnitzer Bürgerinnen und Bürgern, die im Verlauf des Krieges ums Leben kamen, denn wir tolerieren keinen Geschichtsrevisionismus. Vereine, Initiativen, Kirchen, Klubs, sowie Bürgerinnen und Bürger der Stadt haben sich zusammengeschlossen, um sich den Nazis entgegenzustellen.

Denn in dieser Stadt ist kein Platz für Nazis! Chemnitzer Geschichtsrevisionismus ad absurdum führen!

Auch die TU Chemnitz, als wichtiger Bestandteil der Stadt, wird international, friedlich, lautstark und bunt Gesicht zeigen. Ein Naziaufmarsch darf nicht ignoriert werden, daher rufen wir alle Mitglieder, Angehörige, Freundinnen und Freunde der Uni auf, sich am 5. März um 17 Uhr vor der Mensa Reichenhainer Straße einzufinden und gemeinsam zu demonstrieren.

Seite an Seite für Demokratie, Frieden und Toleranz.
Wir stellen uns den Nazis entgegen!

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Scheues Rehkitz wieder gesichtet!

Uwe ReißmannEs ist wieder passiert: Das scheue Rehkitz der Chemnitzer Polizeidirektion wurde wieder in der Öffentlichkeit gesichtet. Der Polizeichef Uwe Reißmann meidet eher die Öffentlichkeit. Er ließ dennoch die böse Außenwelt zu sich und stand der Freie Presse Rede und Antwort zu der Polizeiarbeit am kommenden 5. März.
(Zwischenfrage: Hat der Reißmann eigentlich noch einen anderen Gesichtsausdruck? Beweisfotos bitte an die Redaktion!)

Wer sich das Interview sparen will, für die_en gibt es hier einen kurzen -überaus objektiven- Abriss des Gesagten. Übriges fällt auf, dass die Freie Presse mal wieder ihrer journalistischen Tiefgründigkeit im gewohnten Maße nachgeht. Andere Veranstaltungen finden keine Erwähnung in den vergangenen Artikeln. Es gibt mal wieder nun den städtischen Friedenstag und den angemeldeten Nazi-Aufmarsch.

Zurück zum Interview: In der Reißmannschen Darstellung gibt die gute friedliche Stadtveranstaltung, die böse Naziminderheit und alle anderen sind potenzielle Störer_innen. Die klassische Einteilung der vergangenen Jahre in zu gewährleistender Nazi-Demo, daneben stehender Trauerveranstaltung und unter strenger Polizeiaufsicht stehenden anderen Versammlungen bleibt bestehen. Gar beruhigend ist die Aussage der deutlich stärkeren Widmung der Beweissicherung. Mehr Kameras als im vergangen Jahr kann es wohl kaum geben. Für alle Fans der Polizeiflyer „Blockieren ist illegal“ gibt es eine traurige Nachricht. Sie wird es dieses Jahr nicht mehr geben.

Ein Tipp am Rande für die Polizei: Die Einrichtung von Sonderzonen in der nur angemeldete Demonstrant_innen Zugang haben wäre sehr hilfreich. Die Anmeldung könnte schriftlich bei der Polizeidirektion Chemnitz/Erzgebirge erfolgen gegen Vorlage des Personalausweises, Abgabe eines Bildes der geplanten Bekleidung und Angabe zu Gründen der Teilnahme. Es folgt die ausgiebige Prüfung auf vergangene „extremistische“ Bestrebungen. Somit wäre dann sichergestellt, dass nur geprüfte Demokrat_innen das Recht zum Demonstrieren eingeräumt wird. Zuwiderhandlungen werden als Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gewertet und mit unmittelbaren Hausdurchsuchungen beantwortet.

Aber wie Douglas Adams schon meinte „Don‘t Panic“. Es gibt zahlreiche angemeldete Versammlungen. Polizeibeobachter_innen werden anwesend sein und ihr habt das Recht gegen Nazis und Opfermythen auf die Straße zu gehen. (mehr…)

Zumindest einer

Im Vergleich zum alten Reaktor der TU Chemnitz hat der neue Prof. Dr. Arnold van Zyl zumindest einmal nach gedacht bevor er den Mund aufgemacht hat. Er weiß zumindest über ein Denkmal im Innenhof des Universitätsteils an der Straße der Nationen. Im Innenhof des Gebäudes wurden Jüdinnen und Juden gesammelt für die weitere Deportation in verschiedene Lager.
Damit ist er zumindest schon einmal weiter als die meisten Anderen. Mensch merkt gleich, dass er zumindest noch nicht ganz so lange im Elendsgebiet der verschimmelten Pflauem (aka Chemnitz) verweilt. Es sei ihm eine lange Resistenz gewünscht.

„Vorurteile und Ängste abbauen“ – Gedanken zum Friedenstag am 5. März

Prof. Dr. Arnold van Zyl, 52 Jahre, designierter Rektor der Technischen Universität Chemnitz: „Im Innenhof des Universitätsteils Straße der Nationen erinnert ein Gedenkstein an die Chemnitzer Opfer des Nationalsozialismus. Er zeigt, wie wichtig es ist, dem Vergessen entgegenzuwirken und sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen – und das nicht nur am Friedenstag. Er fordert aber auch auf, sich zu Demokratie und Toleranz zu bekennen und durch Wissen einen Wandel in den Köpfen zu erreichen.

Die TU Chemnitz ist eine weltoffene Universität, die sich für interkulturellen Dialog einsetzt und an der täglich dieser Dialog gelebt wird. Aktuell studieren an unserer Universität 10.850 junge Menschen, darunter 867 ausländische Studenten aus 79 Ländern. Hinzu kommen etwa 2000 Mitarbeiter, darunter viele Forscher aus aller Welt. Im akademischen Betrieb eingebundene Menschen müssen jeden Tag ihr Wissen im Dialog miteinander, aber auch mit anderen Menschen – egal, wo auf dem Globus – dafür einzusetzen, dass sich ein Nährboden für Menschheitsverbrechen wie die des Nationalsozialismus gar nicht erst bilden kann. In unserer globalisierten Welt ist es enorm wichtig, durch Wissen Vorurteile und Ängste abzubauen, unsere Gesellschaft aufzuklären und Argumente zu haben, um faschistischen oder rassistischen Anfeindungen wirkungsvoll zu begegnen. Der Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern fördert diesen Dialog.“ (mib)

Quelle: Freie Presse/Chemnitzer Zeitung Samstag, den 25. Februar 2012