Hier marschiert die Rotfront

Ein Gespenst geht um in Chemnitz – Das Gespenst des Kommunismus

so etwas oder Ähnliches wird sich Marco Freymann (Chef des CDU-Ortsverbandes Mitte-Schloß) gedacht haben. Er schrieb erzürnt eine eMail um endgültig Festzustellen, dass der 5. März ein Tag zum „Gedenken der Zerstörung der Chemnitzer Innenstadt durch die allierten Bombenangriffe und deren unschuldigen zivilen Opfer“ ist und nicht für Proteste gegen stattfindende Nazisaufmärsche dienen könnte. Dabei stellt er gleich einmal die Existenz von Nazis an diesen Tag in Abrede. Die armen Leidtragenden sind für ihn natürlich die Polizeibeamten – 2011 haben sich bestimmt viele Beamten verletzt beim Verprügeln von Gegendemonstrant_innen – Sie haben uns Mitgefühl.
Aber zurück zu Freymann: Solch eine Figur des vor Patriotismus strotzenden und realitätsverleugnenden Antikommunisten und Vaterlandsverteidiger kannte selbst die bitterste Satire bisher nicht. Wieder einmal ein Beweis dafür, dass selbst die stärkste Polemik, die Realität an Absurdität nicht übertreffen kann. Wir dokumentieren daher die Reaktion in der Freie Presse des heutigen Tages.

CDU-Funktionär greift Bürgerbündnis an

Der Ortsverbands-Chef Mitte-Schloß sorgt mit Äußerungen zum 5. März für Ärger innerhalb der CDU. Die Chemnitzer Partei-spitze distanziert sich.

Marco Freymann, Chef des CDU-Ortsverbandes Mitte-Schloß, sorgt mit seinen Äußerungen zum Jahrestag der Bombardierung der Stadt für eine Debatte in der CDU. Der Funktionär hatte Parteien und Gewerkschaften vorgeworfen, „antidemokratische und antideutsche“ Kräfte zu unterstützen, die die zivilen Opfer der Bombardierung verhöhnten.

Öffentlich gemacht hat Freymanns Äußerungen sein Parteifreund Harald Krause. Der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft Chemnitz, einer Gruppierung innerhalb der CDU, bekennt sich zum Aufruf des Bündnisses aus Parteien, Organisationen, Kirchen, Vereinen und Verwaltung, das mit den Bürgern am 5. März der Zerstörung der Stadt und ihrer Toten gedenken und Gesicht zeigen will gegen Rechtsextremismus. „Ich hoffe, wir bekommen endlich wieder eine gemeinsame Verbindung der bürgerlichen Mitte am 5. März“, schrieb Krause in einer Rundmail an den Kreisvorstand und forderte, dass die CDU sich auch auf ihrer Internetseite öffentlich zum Bündnis für das Gedenken bekennt, wie es andere Parteien, aber auch Gewerkschaften und Kirchen tun.

Über die Reaktion von Marco Freymann war Krause empört. Freymann ließ ihn per E-Mail wissen: Er habe diverse linke, linksextremistische und Antifa-Seiten im Internet durchforstet. Dabei, so schreibt er an Krause, sei ihm schlecht geworden. Die Chemnitzer CDU werde daher auf keinen Fall mit diesem, so wörtlich „antideutschen, antidemokratischen und kommunistischen Antifa-Pöbel“ gemeinsame Sache machen, die unterstützt würden „durch SED/PDS/DIE Linke, SPD, Grüne; DGB, Verdi“. Das Bündnis selbst bezeichnet er als „Rotfront“. An Krause richtet er die Bitte: „Lassen Sie die Mehrheit der bürgerlichen CDU-Mitglieder am 5. März der Zerstörung unserer Stadt und deren unschuldigen Opfer in würdevoller und geeigneter Art und Weise gedenken, und zwar ohne Antifa und Konsorten!“

Für eine Anfrage der „Freien Presse“ war Freymann gestern nicht erreichbar. CDU-Kreisverbands-Chef Frank Heinrich, der zurzeit im Ausland weilt, ließ durch Partei-Sprecher Alexander Dierks erklären, man bedaure die Äußerungen Freymanns, die eine Einzelmeinung seien, und distanziere sich davon. „Marco Freymann kann nicht im Namen der CDU sprechen. Das werden wir auswerten“, so Dierks. Dabei müsse Freymann es besser wissen, „weil er bei der Vorstandssitzung anwesend war, in der wir über unsere Teilnahme am Friedenstag gesprochen haben“, fügte Dierks hinzu.

Zugleich bekräftigte er das Engagement der Parteispitze wie auch „einer Mehrheit der Partei für ein würdevolles, überparteiliches Gedenken an die Zerstörung der Stadt und deren Opfer“. Die NS-Ideologie von damals dürfe keinen Platz mehr in der Gesellschaft finden. Dabei bestehe ein demokratisches Grundverständnis zur Ursache der Bombenangriffe von 1945, so Dierks: Der Krieg sei von Deutschland ausgegangen.

Quelle: Freie Presse/Chemnitzer Zeitung von Grit Baldauf 31.01.2012